Kinder stark machen: kindliche Resilienz im Alltag fördern – KITAnGO

Die Anzahl und Intensität an negativen Ereignissen, die Kinder durchleben, macht sie mehr oder weniger resilient. Jedes Kind erlebt unterschiedlich schwere Erlebnisse und nimmt diese auch unterschiedlich schlimm war. Situationen aus der Umwelt (z.B. Krieg, Armut) aber auch familiäre Umstände (z.B. Tod, Scheidung) zwingen das Kind dazu, sich mit Problemen auseinander zu setzen. Die Konfrontation mit negativen Erlebnissen lässt ein resilientes Kind über sich hinauswachsen und ein weniger resilientes Kind daran verzweifeln.

 

Resilienz beim Übergang in die Kita

Die Resilienz eines Kleinkindes kann bereits bei der Eingewöhnung in den Kindergarten abgeschätzt werden. Der wichtigste Indikator hierfür ist die Eingewöhnungszeit, die das Kind benötigt. Tut sich ein Kind nur schwer mit der Annäherung an den Erzieher, so weist das auf ein geringeres Resilienzvermögen auf. Der Grund hierfür ist ein ambivalentes Bindungsverhalten und eine stark ausgeprägte Unsicherheit gegenüber eigenen Gefühlen. Ein resilientes Kind hingegen zeigt beim Übergang in die Kita ein gesundes Bedürfnis nach Zuneigung und Bestätigung der eigenen Person. Konkret bedeutet das, dass es nicht überdurchschnittlich viel schreit, tobt, trauert oder in Rage gerät, da es in der Lage ist, eigene Gefühle und Bedürfnisse selbst zu regulieren und zu befriedigen.

 

Nicht resiliente Kinder vs. resiliente Kinder

Um die Resilienz eines Kindes im Kita-Alltag gezielter fördern zu können, ist es zunächst einmal notwendig, den Status quo zu ermitteln. Durch Beobachtung des Kindes und Dokumentation des Verhaltens lässt sich festhalten, wie stark oder weniger stark das Resilienzvermögen ausgeprägt ist. Verschiedene Verhaltensmuster weisen darauf hin. Folgende Eigenschaften unterscheiden nicht resliente Kinder von resilienten Kindern:

  • warten passiv auf Hilfe vs. suchen sich aktiv Hilfe
  • lassen sich nicht helfen vs. lassen Hilfe zu
  • fühlen sich Problemen ausgeliefert vs. bemühen sich Probleme zu lösen
  • sehen Hindernisse als unüberwindbar vs. vertrauen in die eigenen Fähigkeiten
  • zeigen ein ambivalentes Beziehungsverhalten vs. können Bindungen aufbauen
  • sind ihrem Kummer ausgeliefert vs. können über ihren Kummer lachen
  • bleiben eher beim bereits Bekannten vs. nehmen gerne Herausforderungen an
  • brauchen Lob von anderen vs. sind unabhängig von Bewertungen anderer
  • haben eine fehlende Selbsteinschätzung vs. haben eigene Fehlerkontrolle
  • orientieren sich an Vorgaben vs. entwickeln eigene Kreativität und Fantasie

 

Resilienz im Kita-Alltag fördern

Um die kindliche Resilienz im Alltag gezielt fördern zu können, ist es zunächst einmal wichtig, dass Erzieher sich ihrer Rolle als Vorbild bewusstwerden. Sie sollten darauf achten, dass das eigene Handeln sowie die Verbalisierung des Handelns stets positiv sind. Misslingt dem Erzieher die Handlung, sollte diese erneut wiederholt werden, bis sie gelingt. Sprachlich wird die Handlung durch positives Zureden unterstützt. Wichtig: bei der sprachlichen Begleitung darf die eigene Person nicht abgewertet werden (z.B.: Das schaffe ich doch sowieso nicht, denn ich bin einfach zu blöd dafür! Ich gebe auf.“). Weitere Förderbereiche im Kita-Alltag sind:

  • positives Selbstwertgefühl vermitteln (das Kind nicht anhand seiner Leistungen oder Schwächen abwerten)
  • Verantwortung für kleine Aufgaben übergeben (nur realistische Aufgaben geben, die dem Kind auch zuzutrauen sind)
  • aktives Zuhören (unterstützt den Aufbau der emotionalen Selbstregulation, da Kinder in sich hinein horchen und so ihre Gefühle kennenlernen)
  • das Kind auf seine Rolle als Verursacher hinweisen (die eigenen Handlungen haben Konsequenzen auf Mitmenschen und Umwelt)
  • Lob an der Handlung äußern (bei Misserfolgen sollte das Kind dennoch ermutigt werden, weiter zu machen)
  • Kritik an der Handlung äußern (die Persönlichkeit des Kindes darf nicht kritisiert werden, sondern nur das Verhalten)
  • Stärken aufzeigen (Kindern ihre eigenen Stärken bewusst machen ermutigt sie in ihren weiteren Handlungen)
  • resiliente Geschichten erzählen (keine Märchen, sondern Erzählungen mit Hauptakteuren, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen)
  • Eigenaktivität fördern (Zeit für sich selbst geben, da durch „Langeweile“ Selbstständigkeit entsteht und Kinder so ihre eigenen Interessen kennenlernen)
  • Konfliktfähigkeit fördern (Kinder dazu ermutigen, Streitigkeiten auszutragen, statt zu verdrängen unterstützt ein positives Bindungsverhalten)

 

Resilienzbildung passiert nicht während einer bestimmten angebotenen Aktivität in der Kita. Resilienz ist ein Prozess der den ganzen Tag passiert. Um diesen Prozess positiv zu beeinflussen, sollten Erzieher Kindern eine anregende Umgebung schaffen, die viel Raum und Material zur kreativen Entfaltung mit anderen Kindern bietet. Freispiele mit der Möglichkeit für eigene Entscheidungsspielräume sind wichtig für die individuellen Lernerfahrungen von Kindern. Dadurch lernen sie den Umgang mit Problemen oder Schwierigkeiten und entwickeln eigene Fähigkeiten der Problemlösung.

Während des Freispiels sollten sich Erzieher nicht in das Spielgeschehen einmischen, sich möglichst zurückhalten und nur dann Hilfestellung geben, wenn sie ausdrücklich darum gebeten werden.

 

Corina Wustmann Seiler; „Resilienz: Widerstandsfähigkeit von Kindern in Tageseinrichtungen“

 

Irit Wyrobnik; „Wie man ein Kind stärken kann: Ein Handbuch für Kita und Familie“

 

Klaus Fröhlich-Gildhoff, Jutta Becker; „Gestärkt von Anfang an: Resilienzförderung in der Kita“

 

Die moderne Gehirnforschung hat ergeben, dass die Vernetzung beider Gehirnhälften ein bedeutsamer Aspekt der Resilienz ist. Räumliche Wahrnehmung (rechte Gehirnhälfte) entwickelt sich noch vor der Sprache, dem Sozialverhalten und dem bildlichem Sprachverhalten (linke Gehirnhälfte). Das bedeutet: Je vernetzter beide Gehirnhälften miteinander sind, desto vielfältiger ist das Verhaltensrepertoire von Kindern.

Die Vernetzung des Gehirns lässt sich durch verschiedene Übungen fördern, die das Kreuzen der Körpermittellinie zum Ziel haben. Aber auch Geschichten, die Kinder oft zwischen Fantasie und Wirklichkeit wechseln lassen, fördern die Vernetzung beider Gehirnhälften.

 

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Persönlichkeitsentwicklung: Die kindliche Resilienz

 

 

Foto: Pixabay

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