0 - 3 Jahre, 3 - 6 Jahre, Bildung, Entwicklung

Kindliche Kognition: die geistige Entwicklung des Kindes – KITAnGO

Um die kindliche Kognition und die vielen Prozesse dahinter zu verstehen, muss zunächst einmal klar sein, was genau „Kognition“ eigentlich ist.

Unter den Hauptbegriff der Kognition laufen alle mentalen Prozesse eines Menschen, wie Lernen, Wissen, Denken, Erkennen, aber auch Kreativität, Wünsche, Gedanken und Erinnerungen ab. Zusammengefasst kann man sagen, dass die Kognition alle Denk- und Wahrnehmungsvorgänge des Menschen, in einem umfassenden Sinn ist. Der vielschichtige Prozess läuft von der Erfahrung, über die Verarbeitung, bis hin zu Erkenntnis und anschließend zum Wissen ab. Diese Vorgänge können entweder bewusst stattfinden, oder aber auch unterbewusst.

 

Entwicklung der Kognition

Kognitives Denken passiert von der Geburt an. Zunächst ist der Prozess mit der sinnlichen Wahrnehmung und der Bewegungsentwicklung verknüpft. Das bedeutet, dass das Denken der Kinder zunächst über das Hören, Fühlen, Sehen und Laufen beginnt. Mit zunehmendem Alter werden die Denkprozesse zunehmend komplexer. Es entwickelt sich vom Konkreten zum Abstrakten und vom Einfachen zum Differenzierten. Nach und nach bildet sich aus dem Denken das innerliche Handeln immer mehr heraus.

Einen großen Anteil, bei der kognitiven Entwicklung, tragen die Emotionen. Kinder entwickeln zu ihrem Umfeld emotionale Beziehungen. Ob zum Menschen oder der Umwelt. Auch Dinge aus dem Alltag, wie beispielsweise verschiedene Spielsachen, werden mit bestimmten Gefühlen verbunden. Das bedeutet: Je stärker der emotionale Zusammenhang zwischen Kind und Mensch, Umwelt oder Gegenstand ist, desto intensiver und effektiver lernt das Kind. Macht ein Elternteil lustige Grimassen mit dem Kind und lacht dabei, wird die gemeinsame Beziehung gestärkt und die Person mit einem positiven und warmherzigen Gefühl verbunden. Spielt das Kind beispielsweise gerne mit dem tollen Lieblingstraktor und empfinden Spaß und Freude dabei, so werden Lernprozesse wie Motorik, räumliche Wahrnehmung, Kreativität und Erkenntnis tiefgründiger verankert.

 

Kognitives Denken vom 1. – 12. Monat:

Dank der kindlichen Neugier beginnen Kinder schon wenige Monate nach der Geburt mit der Erkundung ihrer Umwelt. Durch die spielerische Auseinandersetzung mit verschiedenen Objekten, lernen sie Zusammenhänge kennen. Zunächst werden diese Dinge jedoch nicht als unabhängige Objekte gesehen. Es geht lediglich um die Erfahrung mit ihnen.

Bsp.: Der Ball ist glatt und rund.

 

Kognitives Denken vom 1. – 2. Lebensjahr:

Ab dem ersten Lebensjahr beginnen Kleinkinder damit, Objekte als einzelne Gegenstände zu verstehen. Sie differenzieren beispielsweise verschiedene Spielsachen voneinander und probieren sich mit diesen aus. Außerdem setzen sie sich mit räumlichen Vorstellungen auseinander.

Bsp.: Der Ball fällt runter, wenn ich ihn loslasse und rollt von mir weg.

 

Kognitives Denken vom 2. – 3. Lebensjahr:

Im zweiten Lebensjahr beginnen Kinder damit, Objekte nach verschiedenen Eigenschaften zu kategorisieren. Die Gegenstände werden z.B. nach Größe, Form, Farbe oder Funktion sortiert.

Bsp.: Der Ball kann rollen, weil er rund ist. Der Würfel kann nicht rollen, wegen seinen Kanten. Alle roten Spielsachen kommen auf die eine Seite, alle gelben auf die andere.

 

Kognitives Denken vom 3. – 4. Lebensjahr:

Ab dem dritten Lebensjahr kommt die Fähigkeit der Annahme hinzu. Kinder versuchen sich Abläufe von Handlungen vorab vorzustellen. Diese liegen aber oft noch nicht richtig. Die Zusammenhänge von Ursache und Wirkung werden wahrgenommen, können jedoch noch nicht zu 100% voneinander unterschieden werden.

Bsp.: Der Kegel wird nicht rollen, wenn ich ihn an schubse, weil er nicht so rund ist wie der Ball. Warum rollt er trotzdem, wenn ich ihn an schubse? Und warum rollt er so komisch?

 

Kognitives Denken vom 4. – 5. Lebensjahr:

Mit ca. vier Jahren entwickeln Kinder ein konkreteres Verständnis für Mengen- und Zeitbegriffe. Objekte können abgezählt und verglichen werden. Tageszeiten und Wochentage können dem bewussten Empfinden zugeordnet werden. Das realistische Denken nimmt zu, sowie das Gedächtnis.

Bsp.: Auf dem Boden liegen 4 Bälle. Auf dem Stuhl liegen 6 Bälle. Auf dem Stuhl liegen mehr Bälle, als auf dem Boden.

 

Kognitives Denken vom 5. – 6. Lebensjahr:

Ab dem fünften Lebensjahr können Kinder gewisse Abläufe und Handlungen immer mehr durchdenken. Auch die Ergebnisse stimmen häufiger mit der Realität überein. Das Lernen durch eigenes Ausprobieren ist jedoch immer noch die wertvollste Erfahrung. Die Welt der Zahlen und Buchstaben wird interessanter und das logische Denken nimmt deutlich zu.

Bsp.: Hier liegen 4 Bälle. Wenn ich einen wegnehme, dann habe ich noch 1, 2, 3 – 3 Bälle. Einer weniger als davor. Wie schreibt man Ball / Bälle? Wie sehen die Buchstaben aus?

 

Förderung der Kognition

Die Förderung der Kognition kann von Eltern und Erziehern gezielt erfolgen. Wichtig ist, dass dies auf eine unbewusste, spielerische und lustvolle Art und Weise abläuft, denn dann lernen Kinder am effektivsten. Die größten Bereiche sind:

  • Sinnesschulung: verschiedene optische und haptische Anreize bieten
  • Gedächtnis: Themen mit dem Alltagsgeschehen verknüpfen und wiederholen
  • Sprachförderung: auf die Intensität und Qualität der Sprache achten
  • Literacy: Schriftsprache durch Vorlesen und Erzählen aus Büchern fördern
  • Denken verstehen: Kinder mit Neuem konfrontieren und dabei beobachten
  • Lernen verstehen: mit Kindern Neues erlernen und das Ergebnis gemeinsam reflektieren

 

Verschiedene Knobel- und Denkaufgaben eignen sich besonders gut, um neue Anreize zu schaffen. Sie fordern auf eine spielerische Art und Weise das kognitive Denken der Kinder. Durch die Spannung und den Ehrgeiz, die Aufgaben zu lösen und an das Ziel zu kommen, werden zahlreiche vorhandene Synapsen im Gehirn aktiviert und neue Verbindungen erstellt.

Für Kinder im Kindergartenalter eignen sich einfache und optische Rätsel, wie die Fehlersuche, sehr gut. In diesen beiden Denkspielen müssen jeweils 3 Unterschiede zwischen dem Original und dem Fehlerbild gefunden werden:

Klick“ auf das Bild, um die Medien-Datei zu öffnen und das Rätsel auszudrucken!

 

Klick“ auf das Bild, um die Medien-Datei zu öffnen und das Rätsel auszudrucken!

Wie es in vielen anderen Bereichen der Fall ist, entwickelt sich auch das kognitive Denken bei Kindern unterschiedlich schnell, bzw. langsam. Verzögerungen können einen emotionalen oder aber auch organischen Grund haben. In Zweifelsfall sollte immer ein Arzt zu Rate gezogen werden.

 

 

Foto: Pixabay.com

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